Angsthunde

Wichtige Infos zum Thema „ANGSTHUNDE“

Du hast einen Angsthund aus dem Tierschutz übernommen und brauchst ein paar Tipps? Dann lies dir die folgenden Zeilen genau durch:

Vorab, jeder Angsthund ist anders. Nicht jeder Angsthund hat Schlimmes erlebt oder ist gar geschlagen worden.
Oftmals mangelt es diesen Hunden einfach an Erfahrung, insbesondere gute Erfahrung,mit dem Menschen.
Und auch unter den Hunden gibt es manchmal welche die einfach nur etwas schüchtern sind.
Was alle gemeinsam haben ist das man mit ihnen ganz viel Geduld & Ruhe braucht. Sie brauchen jemanden der zeigt dass er/sie sich um alles kümmert und sich schützend vor den Hund stellt. Dazu gehört auch dass der Mensch Regel vorgibt und diese konsequent & liebevoll durchsetzt.

Für einen Angsthund sind Erfolgserlebnisse sehr sehr wichtig. An solchen Erfolgserlebnissen (z.B. einen anderen Hund treffen, eine neue Strecke gehen, etc.) kann ein Hund wachsen und selbstbewusster werden.
Aber vor allem, egal was kommt, bleib ruhig. Deine Stimmung und Deine Sicherheit hilft Deinem Hund sicherer zu werden.

Vor der Ankunft
Bitte überprüfe vorab ob der Garten ausbruchssicher ist: keine Löcher im Zaun, keine Möglichkeit sich drunter durch zu graben (oder bei kleinen Hunden raus zu krabbeln) oder drüber zu springen. Das Tor muss fest schließbar sein, ohne dass der Hund es einfach auf drücken kann. Im Haus steht gegebenenfalls eine Box oder ein Hundebett, an einem ruhigen Ort, bereit wohin der Hund sich nach der Ankunft zurückziehen kann.

Ankunft
Falls bereits ein souveräner Ersthund vorhanden ist, bring diesen bitte unbedingt mit zur Abholung.
Bei der Ankunft sollte der ängstliche Hund immer doppelt abgesichert werden: am Halsband UND am Geschirr.
(Panikgeschirr wird sehr empfohlen)

Viele Hunde kennen das Gehen an der Leine noch nicht. Gib dem Neuankömmling bitte etwas Zeit Dir zu folgen, mit ganz leichten Zug in die Richtung in die Du gehen möchtest oder folge einem anderen Hund.
Sollte der Hund auf leichten Zug nicht reagieren, dann darf er ruhig ins Haus oder auf die Wiese getragen werden.
Oft ist es auch besser, falls es mit der Leine und dem Stress bei einer Abholung garnicht klappt, wenn der Hund in einer Transportbox ins Auto und danach ins Haus getragen wird.

Stell diese dann in eine ruhige Ecke, öffne die Tür und stell etwas leckeres zu fressen, ein Stückchen von der Box entfernt. Nimm Abstand und lass die nötige Zeit, dass der Hund entscheiden kann, ob er schon soweit ist, rauszukommen.

Im neuen Zuhause
Das Geschirr im Haus erstmal NICHT abnehmen außer Du möchtest das Geschirr wechseln um ein sichereres
oder ausbruchsicheres Sicherheitsgeschirr anziehen.
Tun dies am besten in einem ruhigen Zimmer, schließ
die Türen und mache das Umziehen langsam und behutsam. Nimm Dir hierfür Zeit und rede mit sanfter Stimme während Du das neue Geschirr anlegen.
Bei sehr ängstlichen Hunden empfiehlt es sich dem Hund eine sogenannte Hausleine ans Geschirr zu machen:
eine ca. 2 Meter lange Leine, ohne Schlaufen und ohne Metalteile. Bitte gib dem Hund erstmal Zeit anzukommen, bedränge ihn nicht.

Sollten Kinder im Haus sein, bitte erkläreihnen, dass der neue Hund Angst hat und in Ruhe gelassen werden MUSS.
Wenn der Hund bereit ist, wird er von selber raus kommen.

Wenn Du viel Platz im Haus hast, grenze es etwas für Deinen Neuankömmling ein. Oft sind diese mit einem zu großen Platzangebot überfordert.

Sollte ein Mischgeschick im Haus passieren, strafe den Hund unter GAR KEINEN UMSTÄNDEN.
Das vergrößert die Angst nur.
Bedenke, das ehemalige Straßenhunde ihr Geschäft gerne diskret versteckt, z.B. in einem Busch oder großen Grasbüschel, verrichten. Hunde die von klein auf in einem Tierheim gelebt haben, kennen es oft nicht das man sein Geschäft auch auf Grünflächen verrichten kann. Sie bevorzugen oftmals einen festen Untergrund.
Der Hund muss erst lernen wo er seine Geschäfte verrichten darf.

Bitte vermeide es die ersten Wochen Besuch zu empfangen. Der Hund muss sich erst etwas einleben und
sicher fühlen, bevor man ihm weitere neue Menschen zumuten kann.
Es ist verständlich das man sein neues Familienmitglied seinem Verwandten- und Bekanntenkreis vorstellen möchte, aber damit verunsichert man seinen Hund anfangs meist und überfordert ihn.

Fütterung: füttere den Hund die erste Zeit am besten aus der Hand. Das förderte das Vertrauen und der Hund lernt er dass er sich nicht vor Dir fürchten muss.

Ausflüge in den Garten: führe den Hund die ersten Tage bitte IMMER UND NUR mit einer Leine in den Garten.
Erst wenn Du siehst das er sicher wieder mit ins Haus kommt, kannst du den Hund mit der Hausleine oder einer Schleppleine (ohne Schlaufe) ohne diese festzuhalten, in den Garten lassen. Bitte NIE unbeaufsichtigt!

Versüße dem Hund das Zurückkommen mit etwas Leckerem.

Gassigang: Der Hund sollte auch hier die erste Zeit doppelt gesichert werden (Halsband + Geschirr) bzw. bei sehr ängstlichen Hunden sollte ein spezielles, ausbruchsicheres, Geschirr (Panikgeschirr) angezogen werden.

Die ersten Tage sollten die Gassi-Runden eher kurz gehalten werden (auch bei großen Hunden!). 10 Min reichen
anfangs vollkommen aus.
Nach 2 – 3 Tagen kann man die Strecke dann um jeweils 5 Min erweitern. Bitte mute Deinem Hund am Anfang nicht zu viel auf einmal zu.

Bitte anfangs KEINE öffentlichen Verkehrsmittel mit dem Hund nutzen, versuche möglichst Menschenmengen
und Kindergärten zu meiden. Auch zu belebte Straßen wären besser zu vermeiden wenn möglich.
Step by Step an die neuen Situationen und die neue Umgebung heranführen.

Ausflüge (z.B. Wanderungen, Stadtausflüge, Besuche bei Bekannten, etc.): sollten anfangs KOMPLETT vermieden
werden, bis der Hund schon etwas Vertrauen aufgebaut hat und sich ein wenig in seine neue Umgebung eingelebt hat. Danach kann man diese Schritt für Schritt in den Alltag einbauen. Wenn der erste Ausflug z.B. in die Berge anstehen sollte, mache dies lieber nur an einem ganz ruhigen Tag ohne großen Tumult.

Generelles
Der Hund sollte Stück für Stück an seine neue Umwelt gewöhnt werden. ‚Da muss er durch‘ verschlimmert die
Situation für den ängstlichen Hund mehr als das es hilft.

Beispiele:

Besuch: vielleicht erst nur eine Person zu Besuch kommen lassen, das nächste mal dann vielleicht 2, etc. Der Besuch sollte den Hund anfangs nicht anschauen und nicht ansprechen. Der Hund muss von selber Kontakt aufnehmen und wird dies auch tun, wenn er sich sicher genug fühlt.
Bitte den Hund auf keinen Fall bedrängen oder versuchen zu streicheln, wenn er nicht von selber zu Ihnen oder Ihren Besuch kommt. Ein „Vorführen“ des neuen Familienmitgliedes ist hier ganz falsch.

Hundebekanntschaften: auch hier fängt man am besten nur mit einem neuen Hund (abgesehen von eventuell im Haushalt lebenden Hunden) an. Wenn Hundebegegnungen beim Gassigang entspannt ablaufen, spricht nichts gegen den Besuch von Hundetreffen oder Hundespielwiesen.

Hundeschule: wenn der Hund sich eingelebt hat und sich bei Dir einigermaßen sicher fühlt, spricht nichts gegen den Besuch einer Hundeschule, ganz im Gegenteil. Die gemeinsame Teilnahme an einem Hundeschulkurs
stärkt die Bindung und schafft gegenseitiges Vertrauen.

Aber wie sieht man denn nun das der Hund anfängt Vertrauen zu fassen und sich sicher zu fühlen???

Zum einen natürlich daran das er sich entspannt anfassen lässt, ohne ängstlich den Blick abzuwenden sich steif zu machen oder die Schnauze zu lecken.
Ein deutliches Zeichen ist auch wenn der Hund einem den
Bauch zustreckt (sich auf den Rücken dreht) um diesen gekrault zu bekommen.
Aber auch Kleinigkeiten, wie z.B. das der Hund von selber ankommt und einen mit der Nase leicht anstupst um
Aufmerksamkeit zu bekommen, weisen darauf hin das der Hund anfängt Dir zu vertrauen.

WAS TUE ICH WENN…
…der Hund sich verkriecht (z.B. in einer Ecke, unter dem Bett, etc.)?
Gehe erstmal auf Abstand. Gib dem Hund Zeit und Ruhe selber raus zu kommen. Bring ihm gegebenenfalls etwas Futter und leg es in seine Nähe um ihn zu verlocken raus zu kommen. Halte dabei aber bitte immer Abstand und bedränge den Hund nicht.

…der Hund draussen auf etwas panisch reagiert?
Bleib ruhig. Gehen sie in die Hocke und, falls möglich, leg einfach beruhigend eine Hand an die Seite des Hundes. Falls der Hund Dir schon etwas vertraut, darfst Du den Hund gerne zwischen die Beine nehmen oder sich schützend vor Ihn stellen. Gehe nicht zu sehr auf das pansiche Verhalten ein, denn das könnte den Hund in der Unsicherheit bestärken.

…ein fremder Mensch oder Hund auf sie zukommt und Dein Hund sichtlich Angst zeigt?
Bleib ruhig und stellen sie sich ggf. auch wieder schützend vor Deinen Hund. Bitte die fremde Person
auf Distanz zu bleiben. Halte fremde Hunde ggf. mit dem Fuss oder dem Arm fern. Merkt der Hund, dass Du alles im Griff hast, wird er besser Sicherheit aufbauen.

…der Hund Dich anknurrt oder gar panisch nach Dir schnappt?
Nimm etwas Abstand. Du hast dann oft schon die aktuelle Individualdistanz (bei jedem Hund unterschiedlich)
überschritten. Bringe dem Hund etwas Leckeres und leg es in seine Nähe auf den Boden oder, falls möglich, biete ihm das Futter aus der Hand an.

…der Hund weg gelaufen ist?
Gib SOFORT eine Vermisstenmeldung über Tasso auf und mache Aushänge bereit.
Kommt Dein Hund über einen Verein, kontaktiere diesen umgehend. Bestimmt helfen Sie Dir bei den weiteren Schritten.
Melde es in örtlichen Tierheimen und bei der Polizei. Bitte weise sie auf den Aushängen darauf hin das
KEINERLEI Fangversuche unternommen werden sollen, sondern sie bei Sichtung kontaktiert werden. Verteile
Aushänge weitläufig.

Wie es dann im Detail weitergeht, muss individuell abegeklärt werden. Wichtig ist, dass keine Zeit verloren
werden darf!

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