Hunde aus zweiter Hand

Hunde „aus zweiter Hand“
 
Jedes Jahr werden allein in Deutschland über 200.000 Hunde aus Tierheimen, Pflegestellen, aus dem Ausland oder von einem Zuhause in ein neues Zuhause vermittelt.
Hunde aus zweiter (oder dritter, vierter oder sechster Hand) sind dabei besondere Hunde.
Sie haben bisher nicht gelernt, eine Bindung zum Menschen aufzubauen, sehr häufig haben sie große Schwierigkeiten, Menschen zu vertrauen. Sie sind gewöhnlich führungs- und orientierungslos.
 
Hunde aus zweiter Hand bringen immer eine Geschichte mit sich, die sie geformt hat. Manche machen es einem überraschend einfach und fügen sich in ihrem unbändigen Überlebenswillen einfach in ein neues, in ihr Leben ein.
Sie können aber auch eine echte Aufgabe bedeuten: Der Straßenhund, der ausgesetzte Hund, der Hund, mit dem die Vorbesitzer nicht fertig wurden, sind besondere Tier, die von uns Zeit und Raum brauchen, Ruhe Gelassenheit, Verständnis und Regeln. Nichts ist für sie mehr, wie es war: Sie brauchen jetzt nichts dringender als Rituale.
Man muss Gewohnheiten aufbauen und wochen-, manchmal monatelang für genau den gleichen Ablauf sorgen, auf den der Hund sich verlassen kann, denn Rituale geben Sicherheit. Die gleichen kleinen Spaziergänge, die gleichen Geräusche, das gleiche Futter, nur wenig Neues und wenn, dann in kleinen Dosierungen, wenig neue Menschen, kaum fremde Hundekontakte. Er braucht jetzt keine Abwechslung, jeder Moment seines Lebens ist gerade abenteuerlich genug.
Er muss viel schlafen: So ein neues Leben muss erst einmal verarbeitet werden.
 
Ein Hund, der im Tierheim abgegeben wurde, hat vielleicht sein Zuhause verloren, weil sein Besitzer gestorben ist, ins Krankenhaus oder ins Gefängnis musste, oder weil ein Kind schwer allergisch reagiere, oder es war aufgrund anderer Lebensveränderungen keine Zeit mehr für ihn.
Er ist getrennt von denen, die er kannte, denen er vertraute, oder zumindest dem Leben, das er gut kannte.
Er wartet darauf, dass alles wieder so wird, wie es war, sucht die Gerüche, die ihm vertraut sind und die dafür sorgen, dass er sich wieder rundum gut fühlt.
 
Wenn es ein Straßenhund ist, ein ehemaliger Kettenhund, ein Gallo oder ein anderer ausgedienter Jagdhund, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass er noch nie eine Klospülung gehört oder einen Haarföhn oder Staubsauger in Aktion erlebt hat. Er ist immer hungrig und gierig, stiehlt und schlingt sein Futter.
Die Geräusche im Haus machen ihn nervös, er ist unruhig, fiept und läuft auf und ab.
Beim kleinsten Geräusch zuckt er zusammen. Vielleicht musste er um sein Überleben kämpfen, Futter und Schutz suchen und Steinen und Flüchen ausweichen.
 
Und jetzt ist er plötzlich in einem Zuhause und bekommt einen Crashkurs in Hundesozialisierung und menschlicher Interaktion. Das muss den stärksten Hund erschüttern.
Liebe allein hilft diesen Hunde nicht weiter: Sie brauchen Strukturen und eine andere Art der Ansprache, Geduld und Gelassenheit vom Menschen – und der Mensch braucht im richtigen Moment die richtigen inneren Werkzeuge, um angemessen reagieren zu können, wenn sich unerwünschte Verhaltensmuster auftun.
(Quelle: Die zweite Chance)
 
Ihr braucht Hilfe auf diesem Weg?
Dann meldet euch gerne bei mir unter: kontakt@underdogs-hundetraining.de
 

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